Opsec steht für “operational security”. Operational security ist der Prozess, kritische Informationen zu identifizieren, zu analysieren, wie diese durch normale Abläufe offengelegt werden könnten, und Kontrollen anzuwenden, um das Risiko zu reduzieren, dass diese Informationen gegen eine Person verwendet werden können.
Dazu gehören einfache Dinge wie darauf zu achten dass mensch sich nicht beobachten oder von Kameras filmen lässt während er/sie gekonnt einen Stein durch die Scheibe eines AfD-Parteibüros oder die Wohnzimmerscheibe eines Faschos befördert. Es gehören aber auch IT relevante Themen dazu wie darauf zu achten dass man belastende Webseiten grundsätzlich nicht ohne Anonymisierungsdienst besucht um zu verhindern dass Bullen diese Besuche gegen einen verwenden können.
Für Opsec ist es wichtig zu verstehen wie Prozesse die genutzt werden sollen oder auf die man angewiesen ist hinter den Kulissen funktionieren.
Es wird hier zwischen Offline Opsec und digitaler Opsec unterschieden.
Offline Opsec
Der wichtigste Grundsatz bei physischen Aktionen, also antifaschistischer Handarbeit ist es sich Zeit zu lassen wenn möglich. Aktionen sollten niemals überstürzt gemacht werden. Bleiben wir beim Beispiel von oben. Wenn mensch sich dazu entschließt antifaschistische Handarbeit zu machen ist die genaue Kenntnis der Umgebung des Zielobjekts sehr wichtig. Grundsätzliche Fragen die mensch sich während der Vorbereitung einer Aktion stellen sollte sind:
- welche Sicherheitsmaßnahmen gibt es?
- welche Beobachtungswinkel gibt es? (also von wo könnte der/die Antifaschist*in bei der Aktion gesehen werden?)
- gibt es Kameras?
- wie lange brauchen die Bullen bis zum Ort des Geschehens, falls sie gerufen werden?
- welche möglichen Fluchtwege gibt es?
- wie viele Personen halten sich in der Regel am Ort der Aktion auf?
- welche Spuren könnte ich hinterlassen? (Fußabdrücke, DNA, Fingerabdrücke)
Beim Auskundschaften von Aktionsobjekten ist es sehr wichtig schon bei der Beobachtung darauf zu achten dass mensch nicht erwischt bzw. verdächtigt wird. Wenn eine Person die sonst an einem solchen Ort nie unterwegs ist dort plötzlich oft gesehen wird kann das Aufsehen erregen und die Bullen oder mehr Faschos auf den Plan rufen.
Natürlich kann mensch nie zu 100% sicher sein dass keine unerwarteten Dinge passieren oder dass mensch keine Spuren hinterlässt. Um dieses Risiko aber möglichst klein zu halten ist es sehr wichtig sich vor der Aktion diese Fragen zu überlegen.
WICHTIG: Private Handys sollten NIEMALS mit zu Aktionen genommen werden! Sie speichern und übermitteln Standortdaten und auch über Funkzellenabfragen (also zu checken wer war mit einem bestimmten Handymast wann und wo verbunden) ist es möglich zu checken wo ihr unterwegs wart bzw. wer sich in der Nähe eines Aktionsorts aufgehalten hat.
WICHTIG: Bei antifaschistischer Handarbeit können auch andere unvorhersehbare Dinge passieren wie Faschos die euch erwischen. Es ist kein Geheimnis dass Faschos grundsätzlich aggressiv reagieren. Seid deshalb bei jeder Aktion darauf vorbereitet das es zu körperlicher Konfrontation kommen kann und habt im Idealfall etwas zur Selbstverteidigung dabei.
Digitale Opsec
Belastende Dateien sollten immer und nur verschlüsselt gespeichert werden. Alle Datenträger auf denen solche Dateien zu finden sind sollten stark verschlüsselt sein (Infos zu Verschlüsselung findet ihr hier). Falls belastende Dateien wie Fotos, Videos oder ähnliches verschickt werden müssen, ist es sehr wichtig vorher alle Dateien mit dem öffentlichen Schlüssel der Person an die gesendet werden soll PGP zu verschlüsseln. Das stellt sicher dass falls etwas abgefangen wird während die Dateien verschickt werden niemand außer der Person an die ihr sie sendet die Dateien lesen kann.
Stellt in euren verschlüsselten Instant messaging Apps unbedingt einen selbstzerstörungs Timer ein (im Idealfall ein paar Minuten). Signal und Element X machen das problemlos möglich.
Grundsätzlich sollte alles was ihr digital macht zu jeder Zeit so abgesichert sein dass wenn eure Geräte oder Speichermedien im nächsten Augenblick in die Hände von Bullen fallen würden möglichst wenig/im Idealfall keine belastenden Informationen über euch verwertbar sind.
Die wichtigsten Fragen bei allem was ihr digital macht sind also:
- welche Spuren hinterlasse ich wenn ich x mache?
- welche belastenden Informationen würden die Bullen finden wenn sie jetzt zur Tür rein kommen würden?
Beim Versenden von Dateien oder wenn ihr Dateien irgendwo hochladen wollt (z.B. eine Website oder Social Media für Mobiarbeit) sorgt dafür dass ihr die Dateien vorher von allen Metadaten reinigt! (Mehr Infos hier) Handys und Kameras aber auch PCs speichern Metadaten wie das Modell des Geräts, die Uhrzeit, bei Handys oft auch den Standort usw. das sind alles Informationen die nicht in die Hände von Faschos oder Bullen fallen sollten. Faschos könnten sie nutzen um euch und andere Antifaschist*innen ausfindig zu machen und die Bullen um euch zu belasten.
Ihr solltet auch keine Flyer o.ä. mit eurem heimischen Drucker ausdrucken. Drucker sind für Forensiker*innen der Bullen, des Staatsschutzes, Verfassungsschutzes usw. grundsätzlich nachvollziehbar und lassen deswegen Rückschlüsse auf euch zu. Nutzt dazu andere Drucker die keine Rückschlüsse auf euch ermöglichen und behaltet dabei im Auge wer euch sehen kann und wer nachvollziehen könnte dass ihr damit in Zusammenhang stehen könntet.
Betriebssysteme für Aktivist*innen
Es emfpiehlt sich grundsätzlich eher Linux bzw. Unix basierte Betriebssysteme zu nutzen. Sie sind Open source, kostenlos und um ein weites freundlicher für Aktivist*innen als Windows. Für Anfänger*innen empfehlen sich Ubuntu oder Linux mint.
Das für Aktivist*innen am besten geeignete Betriebssystem ist aber Tails. Tails ist ein Linux basiertes Betriebssystem das grundsätzlich auf Anonymität ausgelegt ist. Es eignet sich weniger für den Alltag ist aber sehr gut nutzbar um digitale Dinge zu machen die dem System entgegenstehen und euch belastende Informationen fabrizieren.
Tails eignet sich deshalb so gut weil es nur minimal notwendige Funktionen anbietet, jeglicher Internetverkehr über TOR läuft (es gibt einen “unsicheren Browser” der kein TOR nutzt, diesen solltet ihr aber nicht nutzen und mensch wird auch mehrfach gewarnt bevor er genutzt werden kann). Das Betriebssystem läuft komplett auf einem USB Stick (es kann dann auf jedem PC verwendet werden ohne dass das schon genutzte Betriebssystem überschrieben werden muss) und speichert standardmäßig keine Daten (es gibt die Option einen verschlüsselten permanenten Speicher anzulegen auf dem Dann Dateien verschlüsselt gespeichert werden können).
Weil Tails auf einem USB Stick läuft ist es im Fall eines plötzlichen Besuchs der Bullen sehr vorteilhaft. Der Stick kann einfach rausgezogen werden und alle Nutzungsdaten (bis auf das was ihr im permanenten Speicher abgelegt habt) sind automatisch gelöscht. Der permanente Speicher ist dann auch wieder automatisch verschlüsselt. Solange ihr ein sehr gutes Passwort für den permanenten Speicher habt wird es für die Bullen sehr schwer damit etwas anzufangen.
Auch wenn ihr Tails normal runterfahrt werden alle Nutzungsdaten gelöscht. Es empfiehlt sich keine WLAN Passwörter auf Tails zu speichern und WLAN Passwörter immer wieder erneut einzugeben je nachdem wo ihr seid (auch wenn ihr Tails zu Hause nutzt). So kann im Zweifel schwerer nachvollzogen werden wo der Stick schon überall genutzt wurde.
Tails nimmt euch also einen Teil der Opsec Überlegungen ab aber ist trotzdem keine volle Garantie für Anonymität. Achtet beim Umgang mit belastenden Aktionen im Internet oder belastenden Dateien immer darauf dass ihr euch die Frage stellt welche Spuren ihr gerade hinterlasst/hinterlassen könntet. Im Zweifelsfall lasst eine Aktion bleiben und verschiebt sie auf später. Handelt niemals unüberlegt!
Achtet auch darauf dass über Informationen wie Nutzungszeiten belastende Beweise oder Indizien gegen euch produziert werden können. Zum Beispiel wenn ihr TOR immer nur zu bestimmten Zeiten nutzt und z.B. Demovideos immer zur gleichen Zeit hochladet dann lassen sich Zeitprofile erstellen die euch mit den veröffentlichten Inhalten in Verbindung bringen können. Versucht also Muster zu vermeiden.
